Tuesday, May 25, 2010

Säbelrasseln am 38. Breitengrad

03.07.10 18:04

Krise zwischen Nord- und Südkorea: Säbelrasseln am 38. Breitengrad - taz.de

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25.05.2010 | 4 Kommentare

KRISE ZWISCHEN NORD- UND SÜDKOREA

Säbelrasseln am 38. Breitengrad

VON MARTIN FRITZ

Südkorea legt den Handel mit dem Norden auf Eis. In

Pjöngjang setzt man dafür die Kriegsrethorik fort. Und

Washington ergreift Partei für den verbündeten Süden

TOKIO taz | Knapp 60 Jahre nach Beginn des Koreakrieges drohen

militärische Zusammenstöße an der Waffenstillstandslinie am

38. Breitengrad. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak kündigte an,

für den Fall einer Verletzung des eigenen Hoheitsgebiets das

Recht auf Selbstverteidigung auszuüben. Jetzt gelte das Prinzip der

Abschreckung, erklärte Lee in einer Fernsehrede vor dem Denkmal

für den Koreakrieg in Seoul. Der Süden habe immer Nordkoreas

Brutalität ertragen, doch das sei vorbei. "Ab jetzt wird Nordkorea

dafür bezahlen."

Wegen der mutmaßlichen Versenkung des Zerstörers "Cheonan"

durch einen nordkoreanischen Torpedo wird Südkorea den UN-

Sicherheitsrat anrufen und eine Bestrafung von Pjöngjang

verlangen. Zudem werden der innerkoreanische Handel im Umfang

von zuletzt 185 Millionen Euro jährlich sowie der Ausbau der

Industriezone Kaesong auf Eis gelegt. Südkoreas Hoheitsgewässer

sind für den Norden gesperrt. Derzeit sei jede kooperative Aktivität

sinnlos, so Präsident Lee.

Dessen ungeachtet setzt Nordkorea weiter auf seine Kriegsrhetorik

der vergangenen Tage. Das Arbeiterpartei-Organ Rodong Sinmin

nannte die Untersuchung des Torpedoangriffs eine "nicht

tolerierbare, schwere Provokation", die einer Kriegserklärung

gleichkomme. Pjöngjang bestreitet eine Verwicklung in den

"Cheonan"-Untergang, bei dem 46 Soldaten starben. Sollte

Südkorea wie angekündigt an der Grenze Durchsagen über

Lautsprecher machen und Transparente aufstellen, würden diese

mit Artilleriegranaten zerstört, drohte die Armeeführung. Seoul will

diese psychologische Kriegsführung nach sechsjähriger Pause

wieder aufnehmen.

Das Weiße Haus in Washington nannte Südkoreas Reaktion "völlig

angemessen". US-Präsident Barack Obama ordnete eine engere

militärische Zusammenarbeit mit dem Süden an. Laut

Verteidigungsminister Kim Tae Young sind gemeinsame Manöver

gegen U-Boote im Gelben Meer geplant. "Südkorea kann auf die

volle Unterstützung der USA zählen", versicherte US-

Außenministerin Hillary Clinton in Peking. Bei ihren Gesprächen

wollte sie die chinesische Führung davon überzeugen, im

Sicherheitsrat neuen Sanktionen gegen Nordkorea zuzustimmen. In

seiner Rede verzichtete Präsident Lee darauf, Nordkoreas

Staatschef Kim Jong Il direkt für den Torpedoangriff verantwortlich

zu machen. Stattdessen öffnete er dem "geliebten Führer" ein

Hintertürchen, indem er eine Entschuldigung und die Bestrafung

der Verantwortlichen verlangte. Dabei sind sich die Geheimdienste

in Südkorea und den USA ziemlich sicher, dass Kim den

Angriffsbefehl erteilte.

So hatte das Staatsfernsehen

kürzlich einen ungewöhnlichen Besuch des Führers bei der

Armeeeinheit 586 gezeigt. Dort war Staatschef Kim mit General

Kim Yong Chol, Chef von Nordkoreas Aufklärungsbüro für Aktionen

gegen Südkorea, zusammengetroffen. Die Visite habe wie eine

Belohnung für die Versenkung der Korvette ausgesehen, heißt es

jetzt in Seoul.

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